Wohnungsnot: Warum Home Sharing die Lösung ist

Home Sharing. Beim Thema Wohnungsnot sprechen und schreiben viele darüber, und meist in einem negativen bzw. im besten Fall kritischen Kontext. Dabei wird immer wieder deutlich, dass eine große Unkenntnis zu diesem Thema existiert. Kaum ein Leser weiß, was eigentlich Home Sharing ist? Am Ende des Tages steht nur fest, dass Home Sharing als Teil des AirBnB-Systems mitschuldig an der Wohnungsnot in unseren Städten ist und damit ein Problem.

Dass dem nicht so ist, sondern dass Home Sharing sogar eine Lösung für den Wohnraummangel darstellt, möchte ich in diesem Artikel beleuchten.

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Wohnungsnot: Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die Misere

Ein Blick auf die nackten Zahlen verdeutlicht die Problematik. Laut Studien fehlen allein in München jährlich bis zu 9300 Wohnungen. Bundesweit sind es über eine Million. Verschärft wird die Lage noch durch die Konzentration auf die Ballungsgebiete. Während im ländlichen Raum mancherorts Leerstände vorherrschen, platzen die Städte aus allen Nähten.

Die Ursachen sind vielfältig und nicht einfach und klar festzustellen. Faktisch ist es ein Gemisch aus mangelnder Wohnungspolitik, postitiver wirtschaftlicher Entwicklung und Binnenmigration, die einen Markt schafft auf dem die Nachfrage das Angebot bei weitem Übersteigt. Die Folge ist, dass sowohl Mieten als auch Immobilienpreise steigen.

Die Lösungsansätze sind überschaubar, da vorgegeben. Um die Wohnungsnot zu lindern, kann man entweder mehr bauen oder die vorhandene Substanz besser nutzen. Bauen benötigt aber Zeit, Geld und Fläche, so dass an dieser Stelle die Entlastung doch eher mau ausfällt. 7065 Wohnung sollen bspw. in München entstehen, wohlgemerkt über einen Zeitraum von 3 Jahren! Somit steht dem jährlich wachsenden Bedarf noch nicht mal ein Drittel gegenüber.

 

Politische Ablenkungsmanöver: Homesharer als Sündenböcke

Schuld hieran ist die Politik, der die Prognosen über Jahre bekannt waren. Die aber nicht entsprechend reagiert hat. Um ihr langfristiges Versagen zu überdecken, sucht sie nun die Lösung der Wohnungsnot in kurzfristigen, öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen:

Zweckentfremdungsgesetze sollen Wohnraum wieder nutzbar machen

Dabei wird insbesondere in den Medien laut getrommelt, um sicherzustellen, dass der Wähler genau weiß wer Schuld ist an der Wohnungsnot, und dass nun etwas dagegen getan wird.

Schuld sind insbesondere AirBnB-Hosts, die an Touristen vermieten und so die dringend benötigten Wohnungen entziehen. Hierum wird derart viel Lärm gemacht, dass kaum einer mehr einen Blick auf die eigentlichen Ursachen und Schuldigen wirft. Viel schlimmer ist allerdings, dass die Maßnahme als Lösung verkauft und wahrgenommen wird, obwohl dies die Zahlen nicht hergeben.

War schon die Zahl an neu gebauten Wohnungen im Vergleich zum Bedarf lächerlich gering, so zeigt ein Blick auf den Zweckentfremdungsektor ein noch deutlicheres Bild. Hier stehen rund 1200 Ordnungswidrigkeits-Anzeigen unterm Strich 290 „zurückgeführte“ Wohnungen gegenüber. Setzt man diese Zahl nun zum Bedarf ins Verhältnis (9300), so wird deutlich, dass hier weder Ursache noch Lösung liegen.

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Obwohl bei objektiver Betrachtung der Zahlen und der grundlegenden Merkmale von Home Sharing hier nicht das Problem liegt, werden Homesharer dank mangelnder Differenzierung in den Medien ständig in ein negatives Licht gerückt. Sie dienen der Politik als Ablenkungsmanöver und Sündenböcke für die Wohnraummisere. Einschränkungen dieser Form der Sharing Economy werden als Lösung verkauft, anstatt das wahre Potential im Rahmen eines fairen Dialogs zu erkennen.

Teil der Lösung. Wie Home Sharing die Wohnungsnot lindern könnte

Home Sharing kann vielmehr ein Teil der Lösung sein, denn der Grundsatz lautet, dass Home Sharing besetzten aber zeitweise ungenutzen Wohnraum nutzbar macht. Das bedeutet Home Sharing stellt zusätzlichen Wohnraum zur Verfügung und entzieht diesen nicht.

Die moderne Arbeitswelt verlangt von immer mehr Arbeitnehmern eine gewisse örtliche Flexibilität. Das hat zur Folge, dass Menschen zeitweilig ihren Wohnort verlassen müssen und andernorts eine Bleibe benötigen. Hotels bieten hierfür meist nicht den entsprechenden Kostenrahmen. Daher werden vielerorts entweder Mitarbeiterwohnungen von Firmen angemietet/gekauft oder ganze Gebäude mit der Genehmigung der jeweiligen Städte zur Arbeiterbeherbergung umgenutzt. Beides würde durch den Einsatz von Home Sharing obsolet. Verlässt ein Arbeitnehmer zeitweise seine Wohnung, kann diese durch einen anderen Arbeitnehmer genutzt werden. Gleichzeitig währe die Umnutzung von Wohnraum nicht mehr notwendig, und diese Wohnungen stünden dann dem Wohnungsmarkt wieder zur Verfügung.

Auch der Aspekt der Touristenbeherbergung kann bei näherer Betrachtung eher ein Gewinn für den Wohnungsmarkt sein. Die Tourismuszahlen steigen seit Jahren an. Folglich werden in den kommenden Jahren zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten benötigt. Allein für das Jahr 2019 ist in München der Neubau von rund 3500 Hotelzimmern geplant und genehmigt. Für diese Neubauten werden natürlich entsprechende Bauflächen benötigt, die dem Wohnungsbau nicht mehr zur Verfügung stehen. Durch den Einsatz von Home Sharing könnte man zum Einen die Touristenströme verteilen, und zum Anderen stünden große Flächen für den Wohnungsbau zur Verfügung.

Home Sharing als Chance für Geringverdiener

Home Sharing kann auch dazu beitragen Geringverdiener finanziell zu entlasten und dem Druck der steigenden Mieten entgegenwirken. Selbst wenige Nächte pro Monat können zu einer signifikanten Aufbesserung des Haushaltsbudgets führen. So könnten auch Geringverdiener in Innenstadtlagen ansässig sein und eine soziale Durchmischung bliebe gewährleistet.

Milieuschutz dank und nicht trotz Home Sharing

Im Zusammenhang mit der Wohnungsnot wird auch immer wieder die fortschreitende Gentrifizierung und Verdrängung von alteingesessenen aus ihren jeweiligen Milieus angeführt. Ob es sich um Mieter handelt, die mit steigenden Mieten kämpfen bzw. sich die aktuelle nicht mehr leisten können, oder um potentielle Eigentümer, denen die hohen Immobilienpreise im Weg sind. In beiden Fällen könnte Home Sharing Abhilfe schaffen und Milieus erhalten.

Der Auszug der erwachsenen Kinder oder auch der Tod des Partners kann dazu führen, dass eine Mutter oder dann Witwe sich ihre Wohnung nicht mehr leisten kann. Schlimmer noch, selbst eine kleinere wird in gewissen Vierteln unerschwinglich sein.

Eine junge Familie, die eine größere Wohnung sucht und mangels Mietangebot eventuell kaufen möchte, kann trotz historischem Niedrigzins in ihrem Viertel an Grenzen stoßen.

Oftmals geht es in solchen Fällen nur um wenige hundert Euro, die einen Verbleib im angestammten Milieu sichern würden. Home Sharing kann in diesen Fällen die Lösung sein und ein Milieu in seiner Zusammensetzung erhalten.

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Ist nun alles Gold was glänzt?

Natürlich braucht auch Home Sharing Rahmenbedingungen, an denen es ich sich orientieren kann. Auch kann, will und soll nicht jeder Home Sharing betreiben. Zu guter Letzt ist Home Sharing mit Sicherheit auch nicht die alleinige,  allheilbringende Lösung für die Wohungsnot. Aber Home Sharing kann und sollte Teil der Lösung sein.

Dies setzt ein wirkliches Verständnis und eine differenzierte Haltung gegenüber Home Sharing und Homesharern voraus, um einen ehrlichen und fairen Umgang damit zu erreichen. Anstelle der Verhinderung des ungewollten Home Sharings sollte vielmehr die Förderung eines gewollten Home Sharings treten. Davon würden alle Seiten profitieren: gemeinsam gestalten statt einseitig verhindern.

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